Seebrücke-Papierboot Augsustusbrunnen

Offener Brief an OB Gribl und den Augsburger Stadtrat

Nah am Wasser gebaut? Die Friedens- und Wasserstadt Augsburg soll sicherer Hafen werden!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Gribl,
sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte aller Parteien,

es ist eine unerträgliche Schande, dass tausende Menschen auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrinken. Die Arbeit von zivilen Seenotrettungsorganisationen wird systematisch verhindert und die Retterinnen und Retter sogar kriminalisiert. Eine EU-Seenotrettung findet nicht mehr statt. Stattdessen soll Seenotrettung, wenn man davon sprechen kann, von der sogenannten libyschen Küstenwache übernommen werden, obwohl seit geraumer Zeit bekannt ist, dass nach Libyen zurückgebrachte Menschen systematisch Folter, Versklavung und Gewalt ausgesetzt sind. Dies widerspricht jeglicher Humanität und auch dem internationalen Seerecht. Sicher sind die Häfen Libyens derzeit keinesfalls. Kein Mensch, der aus Seenot gerettet wurde, darf dorthin zurück gebracht werden.

Mehr als 80 Städte und Landkreise in Deutschland haben sich bereits der Initiative  „Städte sicherer Häfen“ angeschlossen und damit ihre Bereitschaft gezeigt, Flüchtlinge über die Verteilungsquote hinaus aufzunehmen sowie ein grundsätzliches Umsteuern in der Flüchtlingspolitik von der Bundesregierung zu fordern.

Vor kurzem, am 18.07.2019, hat auch der Sozialausschuss im Münchner Stadtrat aus diesen Gründen einstimmig beschlossen, dass sich die bayerische Landeshauptstadt der Initiative anschließt.

Wir appellieren an Sie, dass sich auch Augsburg anlässlich des Augsburger Hohen Friedensfests solidarisch mit den in Seenot geratenen Menschen aus den Krisen- und Kriegsregionen dieser Welt zeigt. Lassen Sie uns am 8. August ein Zeichen von friedlicher Solidarität setzen: Die Wasser- und Friedensstadt Augsburg soll auch zur sicheren Hafenstadt werden!

Konkret bedeutet dies:

1. Augsburg tritt dem Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ bei.

2. Wir bitten Sie, Herr Oberbürgermeister Dr. Gribl, und den Stadtrat der Stadt Augsburg, den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern einer europäischen Hafenstadt im Mittelmeer logistische und organisatorische Hilfe durch die Friedensstadt Augsburg bei der Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen anzubieten.

3. Wir bitten Sie, Herr Oberbürgermeister Dr. Gribl, ein Schreiben an das Bundesaußenministerium zu senden, in dem die Friedensstadt Augsburg die Wichtigkeit einer funktionierenden Seenotrettung für Flüchtlinge im Mittelmeer betont, sich für eine Intensivierung der europäischen Seenotrettung engagiert und sich für die Einstellung der strafrechtlichen Verfolgung von Frau Carola Rackete und anderen Seenotretterinnen und -rettern einsetzt.

Eine solche Erklärung und die aktive Hilfe von Stadt zu Stadt aus Anlass des Friedensfestes wäre ein mutiger und richtiger Schritt hin zu einer solidarischen Flüchtlings- und Migrationspolitik. Eine solche Erklärung würde den Wert des Friedensfestes für die Stadt Augsburg verdeutlichen.

Augsburg steht am Wasser! Lassen Sie uns Hafenstadt werden! Wir bitten Sie also: Bringen Sie auf den Weg, dass Augsburg ein sicherer Hafen für Geflüchtete wird.


Mit freundlichen Grüßen

Seebrücke Augsburg
Augsburger Flüchtlingsrat
Amnesty International Augsburg
Tür an Tür – miteinander wohnen und leben e.V.
AG Mutual
GEW Augsburg
SOLWODI Augsburg
Helferkreis der Barfüßerkirche
Bert Brecht Kreis Augsburg e.V.
Augsburg Postkolonial – Decolonize Yourself
Jüdisches Museum Augsburg Schwaben
Grandhotel Cosmopolis
Helferkreis Asyl Haunstetten
AK Asyl Kriegshaber
Junges Theater Augsburg
Lesebühne „Dichtung und Fortschritt“ am Staatstheater Augsburg
Freundschaftskreis Augsburger Flüchtlingsrat e.V.
Frauen*streik Komitee Augsburg
duophonic GmbH
Fridays for Future Augsburg
Antifaschistische Jugend Augsburg
Netzwerk Solidarische Stadt Augsburg
Eltern für Afrika e.V.
Seebrücke München
RESQSHIP e.V.
Seebrücke Passau
DGB-Jugend Augsburg
bujaa – Bündnis junger Antirassisten Auxburg
Helferkreis-Asyl Hochfeld
Searchwing Augsburg
Stadtjugendring Augsburg
Augsburger Friedensinitiative (AFI)

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Friedenstafel in Orange – ein Zeichen für Seenotrettung

Die Seebrücke Augsburg ruft alle Besucherinnen und Besucher der diesjährigen Friedenstafel am 8. August dazu auf, ein Zeichen für Seenotrettung zu setzen: Kommt in Orange – egal, ob T-Shirts, Tücher, Hüte, Warnwesten oder orangefarbenes Essen und Geschirr: Zeigt euch solidarisch mit dem Anliegen der Seebrücke und unterstützt unsere Forderung an die Stadt, dass Augsburg ein sicherer Hafen für in Seenot gerettete Flüchtlinge werden soll.

Erinnert ihr euch noch an die Friedenstafel 2018? Claus-Peter Reisch, der Kapitän der Lifeline, trat als Überraschungsredner auf und machte sich für das Thema Seenotrettung stark. Die von Bluepots Productions und dem Ausgburger Flüchtlingsrat organisierte Aktion gefiel der CSU-Stadtspitze gar nicht. Eva Weber sprach gar vom Missbrauch der Friedenstafel, doch die meisten Gästen verfolgten die Rede von Kapitän Reisch mit großem Interesse und hätten es vermutlich gar nicht gemerkt, dass sie nicht zum offiziellen Programm gehört, wenn die CSU sich nicht so sehr darüber aufgeregt hätte. Eine der Forderungen der Aktion damals war, dass Augsburg sichere Hafenstadt werden solle. Und genau dieses Ziel verfolgt auch die Seebrücke Augsburg. Zum Beispiel mit unserem offenen Brief an die Stadträte im Rahmen der Aktion auf dem Elias-Holl-Platz und in Gesprächen mit den Stadträten bei ihren Fraktionssitzungen sowie mit OB Kurt Gribl, dem wir im Februar unser Konzept für eine sichere Hafenstadt persönlich vorgestellt hatten.

Gerne hätten wir als Seebrücke dieses Jahr auf der Friedenstafel unser Anliegen mit einer kurzen Rede vorgestellt, doch unsere Anfrage nach einem Redebeitrag wurde leider abgelehnt. Ob die CSU-Stadtspitze immer noch an der Reisch-Rede zu knabbern hat? Doch anstelle immer noch beleidigt zu sein, erwarten wir von der CSU, dass sie sich endlich mit den Inhalten auseinandersetzt, um die es mit der Forderung nach einer sicheren Hafenstadt geht.

Gerade die Friedenstafel ist der geeignete Rahmen, um an die einst so geschätzten europäischen Werte wie Solidarität, Humanität und Freiheit zu erinnern, die derzeit leider im mit den Menschen im Mittelmeer untergehen. Wenn am 8. August in Augsburg der Frieden gefeiert wird, wollen wir daran erinnern, dass Frieden ohne die Achtung der Menschenrechte – und zwar der Rechte ALLER Menschen, egal welcher Hautfarbe oder Nationalität – kein Frieden ist.

Und gerade deshalb möchten wir, dass auch die Friedensstadt Augsburg sich solidarisch zeigt mit den Menschen, die auf der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben riskieren. Darum rufen wir alle Besucher der Augsburger Friedenstafel dazu auf, am 8. August in Orange auf den Rathausplatz zu kommen. Letztes Jahr waren auf den Fotos der Friedenstafel viele orangene Luftballone (es waren 300, die verteilt wurden). Dieses Jahr können wir das noch steigern, wenn möglichst viele Menschen sich in Orange kleiden, orangene Papierboote mitbringen oder die Tische mit orangenen Tüchern schmücken. Wir von der Seebrücke werden natürlich auch da sein. Ihr erkennt uns an … richtig: an den orangenen T-Shirts! 🙂

Update vom 5. August:
Zusammen mit dem Augsburger Flüchtlingsrat und weiteren 26 weiteren Organisationen und Vereinen haben wir heute einen offenen Brief an Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und an den Augsburger Stadtrat veröffentlicht.