Seebrücke beim Europatag 2019

Ausgburg feierte Europa und die Seebrücke war mit einem Infostand am 4. Mai 2019 auf dem Willy-Brandt-Platz dabei: mit Aktionen, Spielen und Infos zu Seenotrettung.

Eröffnet wurde der Augsburger Europatag am Willy-Brandt-Platz durch Dr. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Europaangelegenheiten und Medien, Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl sowie durch den Vorsitzenden der Europa-Union Augsburg, Thorsten Frank. Minister Herrmann und Thorsten Frank kamen bei ihrem Rundgang auch zum Seebrücke-Infostand und lauschten interessiert, was Friedrich Reich von RESQSHIP ihnen über Seenotrettung erzählte.

Europa-Minister Dr. Florian Herrmann (MdL) und Thorsten Frank von der Europa-Union Augsburg im Gespräch mit Friedrich Reich von RESQSHIP. Bild: Peter Gebhard

Unsere Aktionen am Seebrücke-Infostand beim Europatag:

Rettungsseile küpfen: Zur Auswahl standen bunte, dünne (die man gut an ein Papierboot festmachen konnte) zum Mitnehmen oder ein dickes, langes, an dem jeder mitflechten konnte und das wir bei passender Gelegenheit einem Politiker als symbolisches Zeichen übergeben werden, zusammen mit unserer Forderung, dass die Menschenrechte auch vor den Grenzen Europas wieder gelten müssen – für alle Menschen, egal woher sie kommen- und dass Seenotrettung im Mittelmeer Pflicht ist und nicht kriminalisiert werden darf.

Postkarten an Oberbürgermeister Dr. Gribl: Damit kann sich jeder dafür einsetzen, dass Augsburg sichere Hafenstadt für aus Seenot Gerettete wird. Viele Besucher haben sie gleich unterschrieben und in unseren symbolischen Briefkasten (in Form eines Rettungsbootes) geworfen. Herr Gribl wird demnächst wohl viel Post in Orange bekommen!

Quiz zu Seenotrettung: um das eigene Wissen zu testen oder aufzufrischen – oder wisst ihr, wie viele zivile Rettungsschiffe zurzeit im Mittelmeer unterwegs sind? Falls ihr euch für diese und andere Fakten interessiert, kommt gerne zu unserem nächsten Seebrücke-Treffen.

Dosenwerfen auf Rechtspopulisten: Auf unseren Dosen waren Gesichter der Politker, die gegen Flüchtlinge hetzen und/oder Seenotretter blockieren und kriminalisieren. Zugegeben: ein etwas provokantes Spiel, doch es verfehlte nicht seine Wirkung: So manches Gespräch wäre sonst nicht zustande gekommen. 🙂

Über den Augsburger Europatag:
Der Gedenktag für Europa ist zwar eigentlich am 9. Mai, doch in Augsburg fielen die Feierlichkeiten dazu in diesem Jahr auf den 4. Mai. An diesem Tag hat die Stadt an acht Stationen die Vielfalt Europas gefeiert.
Die Feierlichkeiten am 4. Mai dienten zugleich als Eröffnung der Europawoche in Augsburg.
Weitere Infos zum Ausgburger Europatag gibt es hier: https://www.augsburg.de/buergerservice-rathaus/europa/europatag/

Filmvorführung „Eldorado“und Vortrag Seenotretter Friedrich Reich

Am Mittwoch, den 10.4. zeigt das Liliom Kino Augsburg um 18 Uhr den Film „ELDORADO“ von Markus Imhoof mit anschließendem Vortrag von Seenotretter Friedrich Reich!

Über den Film:

„Das Einzige, was uns am Ende bleibt, sind Erinnerungen, die auf Liebe basieren.“
Es ist eine solche Erinnerung, die den preisgekrönten Regisseur Markus Imhoof sein Leben lang begleitet hat: Es ist Winter, die Schweiz ist das neutrale Land inmitten des Zweiten Weltkriegs und Markus Imhoofs Mutter wählt am Güterbahnhof ein italienisches Flüchtlingskind aus, um es aufzupäppeln. Das Mädchen heißt Giovanna – und verändert den Blick, mit dem der kleine Markus die Welt sieht.
70 Jahre später kommen wieder Fremde nach Europa. Markus Imhoof hat Giovanna nie vergessen, hat ihre Spuren verfolgt und in ihrem Land gelebt. Nun geht er an Bord eines Schiffes der italienischen Marine, es ist die Operation „Mare Nostrum“, in deren Verlauf mehr als 100.000 Menschen aus dem Mittelmeer gezogen werden. Mit den Augen des Kindes, das er damals war, spürt er den Fragen nach, die ihn seit jeher umtreiben.

Der Regisseur wurde für seinen Film mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Überreicht wurde ihm der Preis vom Seenotretter Claus-Peter Reisch.

KLAVIERKLÄNGE für sichere Häfen

Aeham Ahmad, der „Pianist aus den Trümmern“, war am 15. September 2018 zu Gast in Augsburg. Auf dem Elias-Holl-Platz gab er im Rahmen einer Kundgebung der Seebrücke Augsburg ein Konzert im Flüchtlingsboot. Dazu gab es eine Lesung aus seinem Buch „Und die Vögel werden singen“ und einen Erfahrungsbericht eines Seenotretters. Mit einem offenen Brief an die Stadt Augsburg appellierte die Seebrücke, Augsburg zu einem sicheren Hafen zu machen.

Aeham Ahmad
Bekannt geworden ist der palästinensische Musiker Aeham Ahmad als der „Pianist aus den Trümmern“. Die Bilder und Videos von ihm mit seinem Klavier inmitten eines zerbombten syrischen Flüchtlingslagers gingen um die Welt. Auf den Straßen spielte er gegen den Hunger und gegen die Verzweiflung. Bis der IS sein Instrument verbrannte und er fliehen musste. Heute lebt der Pianist mit seiner Familie in Deutschland und gibt Konzerte in ganz Europa. 

Kundgebung am Königsplatz

Seebrücke Augsburg – Ertrinkende retten

250 Menschen gingen am Samstag, den 21. Juli 2018, in Augsburg unter dem Motto „Stoppt das Sterben im Mittelmeer – Seebrücke: Sichere Häfen“ auf die Straße. Sie demonstrierten gegen die Abschottungspolitik Europas und die Kriminalisierung der Seenotrettung und sprachen sich für eine solidarischen und humanen Umgang mit Geflüchteten aus.

Die Kundgebung zeichnete sich vor allem durch ein breite zivilgesellschaftliche Beteiligung aus, von Jung bis Alt zeigte Augsburg, wie bunt es ist und wie wichtig die gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist.
Neben den eindrücklichen Reden machte ein originales Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer auf die alltägliche Tragödie auf See aufmerksam. Und dazu wurde auch eine Audiobotschaft von Aktivisten der Seenotrettungsorganisationen auf Malta abgespielt, die von der aktuellen Seeblockade berichteten.

Wortstark sprachen bei der Kundgebung verschiedenste Redner.
Friedrich Reich von ResQship und Julian Bayer von Sea-Eye berichteten eindrücklich von ihren Erfahrungen als Seenotretter auf dem Mittelmeer und über die aktuelle Blockade durch Europa, die den Schiffen der privaten Seenotrettungsorganisationen das Auslaufen verbietet.
Friedrich Reich klagte an, 

dass Menschen, die heute Politik machen, sich überhaupt keine Gedanken machen, was wirklich auf dem Mittelmeer passiert. […] Es kann so nicht weitergehen. Wir müssen beispielsweise aufhören, Waffen zu exportieren. Wir schaffen die Probleme uns selbst. […] Und ich frage mich, wenn die Seenotretter heute kriminalisiert werden, ist es nicht umgekehrt? Sind die Politiker nicht kriminell, die die Seenotrettung heute verhindern? […] Nelson Mandela wäre diese Woche 100 Jahre alt geworden. Von ihm stammt das Zitat „Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. Denn Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.“ Ich würde mir wünschen, dass wir solche Politiker haben und nicht einen Herrn Seehofer.

Emanuela Pera, die für den Flüchtlingsrat Augsburg und die Initiative Solidarische Stadt Augsburg sprach, erinnerte eindrücklich und anhand der historischen Beispiele der Geflüchteten Juden vor und im zweiten Weltkrieg sowie hinsichtlich des Schiffs Cap Anamur daran, dass Seenotrettung unsere Pflicht ist. 

Wir sind alle Seebrücke! Und wir alle tragen dazu bei, dass Seenotrettungweiter stattfinden kann. Und wir zeigen heute auch: Augsburg ist Hafenstadt. Augsburg soll ein sicherer Hafen sein. Ein Hafen, in dem Geflüchtete sicher leben können, ohne Angst vor Abschiebungen. Eine Stadt, die sich dazu bekennt – aus der Seenot gerettete – Menschen aufzunehmen. Eine Stadt, in der alle Menschen das Recht auf Arbeit, Bildung, Wohnen undGesundheitsversorgung haben. Das werden wir versuchen mit anderen solidarischen Städten weltweit: Die Städte Neapel, Barcelona, Berlin und auch Bonn hatten sich bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. In allen deutschen Städten scheitert das am Veto Seehofers. Das ist falsch! Augsburg und Europa: Öffnet die Häfen!

Thomas Laschyk, der für den Volksverpetzer schreibt, räumte mit etlichen Mythen und Lügen rund um die Seenotrettung auf und machte klar, dass einzig das internationale Seenotrecht befolgt wird. Andrea Finkel von Amnesty International sprach über die aktuelle Lage in Libyen und verdeutlichte eindrucksvoll, wie schrecklich die Lebenswirklichkeit von Menschen auf der Flucht in Libyen ist.

Pia Niessen vom AStA der Universität Augsburg erinnerte an das Versprechen Europas, welches aus der grausamen Geschichte gewachsen ist: Die Europäische Menschenrechtskonvention, die Genfer Flüchtlingskonvention und die europäische Grundrechtecharta.

Doch im Moment verspielen wir dieses Versprechen und damit zerbröseln uns die zivilisatorischen Errungenschaften und letztlich das, was Europa ausmacht. Nicht die Menschen auf der Flucht sind die Gefahr. Es ist verlogen und zynisch, das zu behaupten! Unser Umgang mit diesen Menschen birgt die Gefahr: Die Gefahr, unsere Menschlichkeit zu zerstören.

Die Kundgebung war der Auftakt von dem internationalen Aktionsbündnis „Seebrücke“, das nun auch in Augsburg aktiv ist und unter anderem durch die Forschungsgruppe „Searchwing Augsburg“ getragen wird.

Die Kundgebung war ein voller Erfolg. Wir hoffen, dass diese Demonstration viele Menschen motiviert hat, sich auch weiterhin gegen die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung zu engagieren. Unmenschlichkeit und Scheinheiligkeit haben ein unerträgliches Maß angenommen. Zugunsten der Abschottung Europas lassen Politiker*innen, die sonst von westlichen Werten reden und oder gar das Christentum im Parteinamen tragen, bewusst Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken und kriminalisieren diejenigen, die Leben retten. Damit muss Schluss sein – jetzt und in Zukunft … überall und auch in Augsburg.

Weiter ging es direkt am Montag mit der Filmvorführung „IUVENTA – Seenotrettung: Ein Akt der Menschlichkeit“ (23. Juli 2018 im Kino Thalia). Zum anschließenden Publikumsgespräch waren gleich mehrere Aktivisten von Jugend Rettet eingeladen:
Benedikt Funke war bei mehreren Missionen als Kapitän auf der Iuventa und arbeitet nach der Beschlagnahme der Iuventa auf dem Rettungsschiff Aquarius, der französischen Hilfsorganisation SOS Mediterranée. Hanna Radeck war Crewmitglied der Iuventa 2016 und seitdem für Jugend Rettet aktivistisch tätig. Florian Stadler war auf mehreren Missionen auf der Iuventa als Schnellbooteinsatzleiter und Head of Mission dabei. Alle drei sind Experten für die zivile Seenotrettung und konnten aus der Praxis berichten. Moderiert wurde die Diskussion durch Prof. Dr.- Ing. Friedrich Beckmann.

Redebeiträge der Kundgebung

Filmvorführung „IUVENTA“ im Thalia Filmtheater

Eine Gruppe junger engagierter Menschen gründet im Herbst 2015 in Berlin die Initiative JUGEND RETTET. Über eine Crowdfunding-Kampagne kaufen sie einen umgebauten Fischkutter und taufen ihn auf den Namen „Iuventa“. Im darauffolgenden Jahr startet ihr Schiff zu seiner ersten Mission und schließt sich den Schiffen verschiedener NGOs, der italienischen Küstenwache sowie der Marine an.

Nach über einem Jahr Einsatz und ca. 14.000 auf hoher See geretteter Menschen wurde im August 2017 das Schiff plötzlich beschlagnahmt und von den italienischen Behörden in Lampedusa festgesetzt. Seitdem kursiert u.a. der Vorwurf der Kooperation mit Schlepperbanden. Eine Anklage ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Die bewegende Geschichte wurde von Regisseur Michele Cinque festgehalten. Über ein Jahr lang verfolgt der Film das Leben der jungen Protagonisten, fängt die gesamte Spanne der Mission ein, beginnend mit dem Moment, in dem sie in See stechen und ihr un- glaubliches Vorhaben wahr wird, bis zu dem

Punkt, an dem dieser mit der politischen Realität kollidiert.

Vorgeführt wurde der Film am 23. Juli 2018 im Thalia-Kino
im Rahmen der Demonstration SEEBRÜCKE Augsburg am Samstag, 21. Juli 2018 am Königsplatz.

Zum anschließenden Publikumsgespräch waren Aktivisten von der Organisation „JUGEND RETTET“ eingeladen:
Benedikt Funke war bei mehreren Missionen als Kapitän auf der Iuventa und arbeitet nach der Beschlagnahme der Iuventa auf dem Rettungsschiff Aquarius, der französischen Hilfsorganisation SOS Mediterranée. Hanna Radeck war Crewmitglied der Iuventa 2016 und seitdem für JUGEND RETTET aktivistisch tätig. Florian Stadler war auf mehreren Missionen auf der Iuventa als Schnellbooteinsatzleiter und Head of Mission dabei.
Alle drei sind Experten für die zivile Seenotrettung und konnten aus der Praxis berichten. Moderiert wurde die Diskussion durch Prof. Dr.-Ing. Friedrich Beckmann.